Dieser Inhalt benötigt den Adobe Flash Player. Diesen können Sie unter http://www.adobe.com/go/getflashplayer kostenlos herunterladen.
descriptionGrafik: Nieren
Die Nieren sind lebenswichtig für die Entgiftung und Blutdruckregelung. Schadstoffe und Krankheiten können sie stark schädigen, bis hin zum Nierenversagen.
description
Sie führen zu Koliken und schädigen die Nieren: Nierensteine. Stress und Kaffee scheinen bei ihrer Entstehung eine Rolle zu spielen.
descriptionFrau mit Rückenschmerzen
Tückisch: Nicht alle Nierenleiden verursachen Schmerzen. Chronische Erkrankungen äußern sich oft erst dann, wenn die Niere bereits geschädigt ist.
descriptionRöntgenbild eines Harnleitersteins
Bösartige Tumoren der Niere sind zwar relativ selten, können aber – anders als die meisten Krebserkrankungen – bereits bei Kleinkindern auftreten.
descriptionWasserflasche mit Glas
Reichlich trinken ist wie Fitnesstraining für die Nieren. Sind sie geschädigt, helfen Salz- und Eiweißsparen dabei, ihre Funktion nicht noch weiter einzuschränken.
  • Schriftgröße normal
  • Schriftgröße mittel
  • Schriftgröße maximal

Die Nieren: Power-Klärwerk im Doppelpack

Erst wenn die Nieren versagen und eine Blutwäsche (Dialyse) nötig wird – das ist bei mehr als 40.000 Menschen in Deutschland der Fall – oder wenn sich die Nieren auf andere Weise schmerzhaft bemerkbar machen, wird deutlich, wie lebenswichtig diese kleinen Organe sind.

Im Überblick



Müssen Sie nachts mehr als einmal auf die Toilette? Dann ist Ihre Niere möglicherweise nicht mehr in der Lage, Ihren Urin ausreichend zu konzentrieren. Lassen Sie bald die Nierenfunktion vom zuständigen Facharzt, dem Nephrologen, überprüfen. Wenn die Nierenfunktion eingeschränkt ist, hat dies Auswirkungen auf den restlichen Körper. Die Nieren haben nämlich lebenswichtige Aufgaben.

Sie halten den Wasser- und Salzhaushalt im Körper konstant, produzieren das Hormon Renin zur Regulierung des Blutdrucks sowie Erythropoetin für die Bildung roter Blutkörperchen, und sie wandeln Vitamin D (Calcidiol) in das wesentlich aktivere Vitamin D3 (Calcitriol). Letzteres steuert die Kalziumaufnahme aus dem Darm und den Knochenaufbau. Darüber hinaus sind die paarig angelegten Nieren das „Klärwerk“ unseres Körpers.
↑ nach oben

Einfache Teststreifen liefern erste Hinweise auf ein Nierenproblem

Jede Niere enthält kleine Filtereinheiten, auch Nierenkörperchen genannt, die aus einem Knäuel ganz feiner Blutgefäße bestehen. Durch diese Blutgefäße wird das gesamte Blut geleitet und die schädlichen oder im Überfluss vorhandenen Stoffe herausgefiltert. Ist die Filtermembran der Nierenkörperchen verändert, wie zum Beispiel bei Diabetikern, verlieren die Nieren vermehrt Eiweiße.

Eine erhöhte Eiweißausscheidung (Albuminurie) und damit ein erhöhter Eiweißwert im Urin ist daher stets ein Alarmsignal dafür, dass die Filtrierleistung der Niere gestört ist. Der Eiweißwert kann neben anderen noch aussagekräftigeren Werten schon vom Hausarzt bestimmt werden. Wichtig ist, dass der eingesetzte Teststreifen sehr empfindlich reagiert und bereits einen Albumingehalt von 20 bis 200 Milligramm Albumin pro Liter Harn (Mikroalbuminurie) nachweisen kann.

Wird die Funktionseinschränkung nicht erkannt, wird der Nierenfilter mit der Zeit immer durchlässiger und nimmt deshalb seine Filterfunktion immer schlechter wahr. Die Folge: Substanzen, die eigentlich ausgeschieden werden müssten, sammeln sich im Blut an. Wird hier nicht rechtzeitig behandelt, droht völliges Nierenversagen. Nicht wenige der Dialysepatienten, bei denen über eine Dialyse dreimal die Woche (insgesamt 18 Stunden pro Woche) das Blut außerhalb des Körpers gereinigt wird, sind Diabetiker.
↑ nach oben

Zuckerkrankheit, Bluthochdruck und Schmerzmittel – der Super-Gau für die Niere

Am besten geht man einmal jährlich zum Check-up, denn typische Nierenbeschwerden treten erst in einem fortgeschrittenen Stadium einer Nierenerkrankung auf. Ein erhöhtes Risiko für eine Nierenerkrankung haben Patienten mit hohem Blutdruck, Diabetiker, aber auch Patienten, die über längere Zeit nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) einnehmen.

Wer über ein bis zwei Jahre hinweg größere Mengen Schmerzmittel, insbesondere Kombinationspräparate, einnimmt, schadet seinen Nieren. Die meisten dieser Medikamente (zum Beispiel Paracetamol) vermindern nämlich die Produktion hormonähnlicher Substanzen, der Prostaglandine. Ohne sie wird eine Niere nicht mehr richtig durchblutet. Die Lage verschlimmert sich noch durch Rauchen: Jeder Zug an einer Zigarette führt zu einer Durchblutungsstörung an den Nieren.

Besonders kritisch für die Nieren ist jedoch eine Diabetes-Erkrankung, denn abgesehen davon, dass durch die Zuckerkrankheit die Blutgefäße in den Nieren geschädigt werden, bekommen viele Diabetes-Patienten sekundär noch Bluthochdruck. Bei ihnen ist die Blutzuckereinstellung zwar wichtig, aber noch relevanter ist die Normalisierung des Blutdrucks. Er ist entscheidend für die Langzeitfunktion der Niere und damit auch für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Wenn der Blutdruck konstant zu hoch ist, verhärten und verengen sich auch die Gefäße in der Niere, sodass die Nierendurchblutung beeinträchtigt wird. Kann die Niere ihre Aufgabe als Blutdruckregulator nicht mehr richtig ausüben, steigt der Blutdruck zusätzlich an, was sich wiederum negativ auf die Nierenfunktion auswirkt – ein Teufelskreis mit Folgen. Mittlerweile gibt es in Deutschland bereits über 40.000 Dialyse-Patienten. Tatsächlich sind aber viel mehr Menschen nierenkrank. Sie erreichen das Dialyse-Stadium nur deshalb nicht, weil sie schon zuvor an Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt sterben.

Seit wenigen Jahren ist bekannt, dass Menschen mit verminderter Nierenfunktion und Eiweiß (Albumin) im Urin ein erhöhtes Risiko haben, frühzeitig zu sterben. Auch geringfügig erhöhte Albumin-Werte sollte man nach Aussage von Nephrologen nicht auf die leichte Schulter nehmen. Bereits dann, wenn der Albumin-Wert mehrfach innerhalb kürzerer Zeit an der Obergrenze des Normbereichs liegt, ist ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko gegeben. Dieser Wert sollte Anlass sein, nach den Ursachen zu suchen und sie – wenn möglich – abzustellen.
↑ nach oben

Verschiedene Nierenerkrankungen beeinträchtigen die Nierenfunktion

Nicht immer sind Diabetes, Bluthochdruck oder häufiger Schmerzmittelgebrauch für eine eingeschränkte Nierenfunktion verantwortlich. Manchen Menschen spielt auch das eigene Immunsystem einen Streich: Nach einer Entzündung der Nierenkörperchen durch Bakterien oder Viren bildet der Körper vermehrt Eiweiße, die eigentlich als Abwehrstoffe gedacht sind. Diese verfangen sich aber im Filtersystem der Nierenkörperchen und blockieren es. Wie bei einer Zuckerkrankheit reichern sich dann Stoffwechselendprodukte im Blut an.

Auch chronische Nierenentzündungen (Glomerulonephritis) und chronische Nierenbeckenentzündungen können die Niere stark schädigen. Während akute Nierenbeckenentzündungen, wenn sie konsequent mit Antibiotika behandelt werden, häufig komplett ausheilen, geht die chronische Nierenbeckenentzündung nie ganz weg. Akute Nierenentzündungen sind in 75 Prozent der Fälle Autoimmunerkrankungen, die, wenn frühzeitig richtig behandelt, durchaus wieder verschwinden können. Die chronische Variante zieht dagegen oft eine dauerhafte Blutwäsche (Dialyse) nach sich.

Wie in der Gallenblase, können auch in der Niere, der Blase oder im Harnleiter teils bizarre Steine auftreten. Diese Harnsteine sind nicht per se gefährlich und müssen deshalb nicht immer herausoperiert oder sonstwie beseitigt werden. Oftmals sind Harnsteinträger lange Zeit beschwerdefrei. Harnstein-Grieß wie auch kleine Steine gehen, wenn man viel trinkt, zu 80 Prozent relativ schmerzarm von alleine über Harnleiter und Harnblase ab.

Steine, die längere Zeit innerhalb des Hohlraumsystems der Niere heranwachsen, müssen jedoch gut beobachtet werden. Sobald sie über längere Zeit den Harn stauen und dadurch Druck auf das Nierengewebe ausüben, sollten sie entfernt werden, da dies Infekte bis hin zum akuten Nierenversagen begünstigt.
↑ nach oben

Was Sie über den Aufbau der Niere wissen sollten

Im Durchschnitt ist jede Niere etwa 12 Zentimeter lang und wiegt gerade mal 150 Gramm. Diese bohnenförmigen Leichtgewichte bestehen aus harnbildenden und harnableitenden Strukturen. Unter der äußeren Nierenkapsel liegt die Nierenrinde. Sie enthält kleine Filtereinheiten, auch Nierenkörperchen (Nephronen) genannt. Insgesamt besitzt jeder Mensch etwa 2 Millionen dieser Nephronen!

Jedes Nierenkörperchen besteht aus einem Knäuel aus feinen Blutgefäßen, dem sogenannten Glomerulus. Das Blutgefäßknäuel wird von der sogenannten Bowman’schen Kapsel umschlossen, die die Aufgabe hat, den Druck im Glomerulus konstant zu halten. Neben dem Glomerulus finden sich im Nierenkörperchen auch kleine Röhrchen (Tubuli).

Die Nierenkörperchen sind die Filterstationen der Niere: Durch die Blutgefäße des Glomerulus wird das gesamte Blut geleitet und die schädlichen oder im Überfluss vorhandenen Stoffe durch die in den Blutgefäßen vorhandenen Poren gefiltert bzw. abgepresst. Werden die Poren durch äußere Einflüsse vergrößert, wie das zum Beispiel durch Zucker bei einem erhöhten Blutzuckerspiegel der Fall ist, verlieren die Nieren vermehrt Stoffe, die eigentlich gar nicht ausgeschieden werden sollen – zum Beispiel Eiweiße, weshalb eine erhöhte Eiweißausscheidung (Albumin) im Urin anzeigt, dass die Filtrierleistung der Niere vermindert ist. Ein großer Teil des Primärharns, der in den Nierenkörperchen gefiltert wird, gelangt über die Tubuli wieder ins Blut zurück.

Dringt man tiefer in die Niere vor, landet man im Nierenmark, das aus 10 bis 12 pyramidenartigen Gebilden (Markpyramiden) aufgebaut ist. Wenn man in Richtung Körperzentrum durch die Niere wandert, gelangt man zum Nierenrand. In ihm liegt eine nischenförmige Vertiefung, die man als Nierenhilus bezeichnet. Hier treten die Nierenarterie, Nierenvene, Lymphgefäße und Nerven ein bzw. aus. Die Niere ist gut durchblutet. Der arterielle Durchfluss durch beiden Nieren beträgt ca. ein Liter pro Minute, das sind ca. 20 Prozent des Herzminutenvolumens!

Am Nierenhilus ist auch das Nierenbecken zu finden. Der in Sammelrohren transportierte und zuvor in den Nierenkörperchen gebildete Urin gelangt in das Nierenbecken, Unterwegs wird ihm noch Wasser entzogen, sodass er bei seiner Ankunft im Nierenbecken hochkonzentriert ist. Von dort fließt der Urin über die Harnleiter zur Harnblase.
↑ nach oben

Multitasking der Nieren

Als Filterstation sorgen die Nieren dafür, dass unser Blut „sauber“ bleibt und nicht zur Kloake wird. Täglich reinigt dieses körpereigene Klärwerk im Nonstop-Betrieb etwa 1.500 Liter Blut von Giftstoffen, Medikamentenresten sowie harnpflichtigen Substanzen wie Kreatinin, Harnstoff und Harnsäure. Dabei werden Abfallprodukte und Wasser aus dem Blut abgeschieden und als Harn im Nierenbecken gesammelt.

Die Leistung der Nieren kann sich sehen lassen: In 24 Stunden bildet eine Niere aus 1.500 Litern Blut etwa 170 Liter Primärharn. Von dieser Menge werden aber letztendlich nur ein bis zwei Liter als Urin samt wasserlöslicher Stoffwechselprodukte wie Harnstoff oder Gifte aus dem Abbau von Medikamenten über die Blase ausgeschieden. Die restlichen 168 Liter werden im Tubulussystem der Nierenrinde sowie bei der Weiterleitung im Sammelrohr Richtung Nierenbecken wieder ins Blut überführt und dem Organismus erneut zugeleitet. Allerdings können bei zu starker Belastung nicht alle Giftstoffe aus der Niere ausgeschwemmt werden.

Gifte wie z.B. das Schwermetall Quecksilber und die Treibstoff-Bestandteile Benzol und Toluol können sich auch in der Niere anreichern. Substanzen wie Blei, Kadmium, Arsen, Quecksilber und Pilzgifte sind ebenfalls toxisch für die Niere. Wenn die Niere nicht mehr richtig arbeitet, sammeln sich Giftstoffe und Stoffwechselendprodukte im Blut an. Der Organismus vergiftet sich dann allmählich selbst.

Die Nieren regulieren den gesamten Flüssigkeitshaushalt des Körpers, den Gehalt an Salzen (Kalium, Natrium und Phosphor) und das Säure-Basen-Gleichgewicht. Für viele Stoffwechselfunktionen ist es relevant, dass ausreichende Kaliummengen vorhanden sind und das Milieu in der Zelle nicht zu basisch und nicht zu sauer ist.
Weiterhin ist die Niere an der Blutdruckregulation beteiligt. Ein ausreichend hoher Blutdruck ist wichtig, damit die Organe mit genug Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Ist er dagegen zu hoch, werden die Organe und Blutgefäße massiv geschädigt.

Die Aufgabe der Niere ist es, das Hormon Renin zu produzieren, das für die Regulierung des Blutdrucks neben der Natrium-Konzentration des Blutes eine ganz wichtige Rolle spielt. Darüber hinaus beeinflusst Renin die Funktion der Nebennierenrinde. In der Niere wird das Hormon Erythropoetin produziert, das die Blutbildung im Knochenmark anregt und somit die Sauerstoffaufnahmekapazität vergrößert. Auch für den Knochenstoffwechsel ist die Niere bedeutsam. Sie bildet nämlich das Vitamin D3 (Calcitriol). Dieses steuert die Kalziumaufnahme aus dem Darm und die Einlagerung in die Knochen.

Die Nieren haben also lebenswichtige Aufgaben – und entsprechend belastend ist eine Nierenerkrankung für den gesamten Körper. Denn dann können die Nieren ihre sonstigen Aufgaben wie zum Beispiel die Blutdruckregulation oder die Produktion des Hormons Erythropoetin nicht mehr richtig wahrnehmen. Deshalb ist es so wichtig, mit den Nieren pfleglich umzugehen und sie täglich (ausgenommen herzkranke Menschen) mit zwei bis drei Litern Flüssigkeit gut zu spülen. Erkrankt die Niere, können die Auswirkungen auf den ganzen Körper, die Leistungsfähigkeit und Fitness gravierend sein.

↑ nach oben


↑ nach oben

Nierenstein
© UweGill/GnuFreeDocumentationLicense
Blutfilter: Nierenkörperchen (1) filtern schädliche und überflüssige Stoffe aus dem Blut. Diese werden über die Nierenkanälchen (2 und 3) weitergeleitet und schließlich mit dem Urin ausgeschieden. (Lichtmikroskopische Aufnahme von Nierengewebe)
Grafik: Querschnitt einer Niere
© Shutterstock
Komplexe Organisation: Nur zirka zwölf Zentimeter lang, enthält eine Niere doch ungefähr eine Million sogenannter Nephronen. Diese winzigen Strukturen sind für die Reinigung des Blutes verantwortlich.
Raukopf-Pilz
© Archenzo/GnuFreeDocumentationLicense
Gefährlich für die Niere: Einige Pilzgifte, wie das Orellanin des Orangefuchsigen Raukopfs (siehe Bild), führen zu Nierenversagen.
Blutdruckmessgerät
© Shutterstock
Mehr als nur ein Blutfilter: Die Niere bildet das Hormon Renin und ist so auch an der Regulation des Blutdrucks beteiligt.
Querschnitt eines Oberschenkelknochens
© Kuratorium für Knochengesundheit
Wichtig für die Knochen: Die Niere bildet das Vitamin D3, das die Kalziumeinlagerung in den Knochen steuert. (Querschnitt durch einen Oberschenkelknochen)